Paartherapeut oder Paarberater werden – wie funktioniert das? Und wie haben andere es geschafft?

Paartherapeut, Paarberater oder Beziehungscoach werdenWer Paartherapeut oder Paarberater werden will, denkt sicher über einen eher ungewöhnlichen Beruf nach.

Die Vorstellung, so persönlich und intim mit anderen Menschen zu arbeiten, schreckt manche Menschen ab – für andere macht genau das den Reiz der Tätigkeit aus.

Vermutlich sind Sie hier gelandet, weil Sie sich für dieses Berufsbild interessieren. Ich verspreche: Wir gehen alle wichtigen Fragen durch, die in Ihrem Kopf schlummern (oder laut nach Antworten rufen).

Wir beantworten die Fragen mit unseren eigenen Erfahrungen. Aber auch gestandene Paartherapeut*innen, die wir für diesen Artikel interviewt haben, werden zu Wort kommen!

Eine kurze Übersicht:

Welche Vorbildung sollte man haben?

Die meisten Ausbildungsinstitute verlangen eine psychologische, sozialwissenschaftliche oder vergleichbare Ausbildung, etwa im Rahmen eines absolvierten Studiums.

Alternativ oder zusätzlich wird Erfahrung in beratenden oder therapeutischen Berufsfeldern gerne gesehen. Dann wäre die Weiterbildung zum Paartherapeuten eine Art Spezialisierung für folgende Berufsfelder:

  1. Psychotherapeuten
  2. Psychoanalytiker
  3. Sozialarbeiter
  4. Sexualberater
  5. Sexualpädagogen
  6. Kulturwissenschaftler
  7. Mediatioren
  8. Coaches
  9. Trainer

Das ist natürlich nur eine kleine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Was, wenn mich der Beruf reizt, ich aber keine dieser Vorerfahrungen habe?

Natürlich kann man auch als Quereinsteiger Paartherapeut oder Paarberater werden. Das gilt sogar für die meisten der von uns interviewten Personen, die etwa Klavierbauer, Büroangestellte oder Filmassistenten waren.

Offensichtlich zieht der Beruf also vielseitig interessierte Menschen an.

In diesem Fall empfehlen wir unbedingt eine umfangreiche Ausbildung. Schließlich wollen Sie sich in der Ausübung deines Berufes sicher fühlen und nur mit dem passenden fachlichen Hintergrund können Sie Ihren Klienten wirklich weiterhelfen.

Gibt es alternative, aber ähnliche Berufsfelder?

Ja! Ich selbst habe beispielsweise dreieinhalb Jahre als Beziehungscoach gearbeitet. Der Begriff Coach ist genauso wenig geschützt wie die Begriffe Paartherapeut, Paarberater oder Eheberater.

Aber damals hatte ich gerade meine Coaching-Ausbildung an der Universität Köln absolviert und habe mich dann auf das Thema Beziehungen spezialisiert. Ähnliches ist auch als Berater oder Trainer denkbar – mit Paaren lässt sich natürlich auch im Workshop-Format arbeiten.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, in welche fachliche Richtung es gehen soll, kontaktieren Sie uns. Entweder helfen wir dir selbst weiter oder stellen Kontakt zu einem Ansprechpartner her, der aus eigener Erfahrung berichten kann.

Wie finde ich heraus, ob das was für mich ist?

Es gibt im Leben zum Glück nicht nur formale Anforderungen. Mindestens genauso wichtig für die Wahl des Berufes und einer Weiterbildung:

  • Wie viel Spaß macht es? 
  • Fühlt sich die Arbeit sinnvoll an? 
  • Hat man das Gefühl, einen Unterschied zu machen?

Wir empfehlen daher, diese Fragen bewusst zu stellen und etwas nachwirken zu lassen. Lesen Sie gerne die vollständigen Interviews am Ende des Artikels und hören Sie auf’s Bauchgefühl. Das ist ein sehr guter Ratgeber für große Entscheidungen.

Kann oder muss man als Paarberater*in Vollzeit arbeiten?

Macht es Sinn, noch andere Sachen anzubieten, etwa Firmenworkshops oder Karriere-Coachings? Oft findet sich genau dieser Ratschlag. Der allerdings schwer mit Marketing-Erfahrungen in Einklang zu bringen ist.

Natürlich kann man sich ein kleines Portfolio aufbauen. Wenn die Themenbereiche aber zu weit auseinander gehen, sollte man diese trennen. Etwa auf verschiedenen Websites. Sonst ist es für Besucher zu verwirrend.

Und die besten Ergebnisse wird man mit 100% Fokus auf ein Thema erzielen. Weiterbildungs- und Arbeitszeit sind schließlich umfangreich. Und man hat ja auch noch eine wirtschaftliche Herausforderung vor der Brust.

Kurzer Input aus Marketing-Sicht:

Unsere erfolgreichsten Kunden arbeiten ausschließlich mit 100% Fokus auf Paarberatung. Natürlich spricht nichts dagegen, ein Buch zu schreiben, einen Online-Kurs anzubieten oder auch mit Workshops zu experimentieren.

Das Format ist noch recht flexibel, wobei man auch hier potenzielle Interessenten nicht mit zwanzig Auswahlmöglichkeiten überfordern sollte.

Aber in jedem Fall raten wir zu einem Themenfokus: Wenn Sie sich um Paarbeziehungen kümmern wollen, arbeiten Sie daraufhin, alles auf diese Karte setzen zu können. Auch, wenn es im ersten Moment nicht intuitiv erscheint.

Im Marketing empfiehlt man nicht ohne Grund die Aufstellung spitz statt breit!

Wie arbeiten Paartherapeuten eigentlich?

Immer mal wieder kommen Interessenten auf Paartherapeuten zu und hoffen, dass mit dem Schwung eines magischen Zauberstabes alle Beziehungsprobleme gelöst sind.

Die Realität ist auch:

Viel zu oft sitzen Paare erst dann auf der Couch, wenn es schon viel zu spät ist. Die Trennung hat dann eigentlich schon stattgefunden und wurde nur noch nicht ausgesprochen. Der Paartherapeut wird dann eher zum Trennungsbegleiter.

Das darf er natürlich auch sein. Aber allen Beteiligten sollte die Agenda klar sein. Daher empfiehlt es sich, mit potenziellen neuen Klienten die Erwartungen abzuklären. Das lernt man natürlich in jeder Ausbildung – eben weil es so wichtig ist.

Deine Verantwortung liegt dann darin, die Klienten professionell und vertrauenswürdig zu begleiten. Deine Verantwortung liegt NICHT darin, Ergebnisse zu garantieren. Das ist eigentlich auch logisch, dafür sind zwischenmenschliche Beziehungen einfach zu komplex und zu unvorhersehbar.

Bezahlen Klienten überhaupt dafür?

Die durchschnittliche Paartherapie-Stunde in Deutschland kostet grob geschätzt um die 100€. Das ist für potenzielle Klienten manchmal viel Geld. Zumal es nur selten mit einer Stunde getan ist.

Die finanziellen Anforderungen schränken die Zielgruppe für Paartherapeuten damit bereits ein: Auf Menschen, die sich so etwas leisten können – und wollen.

Trotzdem ist der Markt groß und wird unseren Schätzungen zufolge aktuell gerade einmal zu 10-20 Prozent ausgeschöpft.

Anders herum gesagt: Es muss nicht jeder mit einem Beziehungsproblem zu Ihrem Klient werden. Es genügt, wenn Sie gut von Ihren Honoraren leben können – und das ist definitiv möglich!

Kann man Paartherapie über die Krankenkasse abrechnen?

Natürlich gibt es immer mal wieder findige Therapeuten, die (Um)Wege finden, wie sich das machen lässt. Gedacht ist das aber nicht so.

Denn Menschen mit einem Beziehungsproblem sind ja in der Regel nicht krank – oder kommen nicht mit einem Krankheits-Anliegen primär zu einem Paartherapeuten. Deswegen ist die Bezeichnung Paarberater eigentlich passender – und man spricht auch eher von Klient, als von Patient.

Und dazu kommt noch ein wirtschaftlich-psychologischer Aspekt: Mir war es damals immer lieb, dass meine Klienten mich selbst bezahlt haben. Denn mit jeder finanziellen Investition steigt auch die Veränderungsbereitschaft – die essentiell für den Fortschritt der Klienten ist.

Welche Ausbildungen gibt es, welche sind empfehlenswert?

Wir haben oben schon gesehen, dass alle hier relevanten Berufsbezeichnungen nicht geschützt sind. Trotzdem empfehlen wir, eine ordentliche Ausbildung zu absolvieren, die je nach Vorerfahrung entsprechend umfangreich sein darf.

Hier ein paar Empfehlungen für Ausbildungen:

  1. Doris Kaiser (eine der interviewten Paarberaterinnen) bietet hier eine Weiterbildung an.
  2. Dr. Rouven Gehr ist Kulturanthropologe und bietet hier eine Weiterbildung an.
  3. Carsten Müller bildet in seiner Praxis für Sexualität eine Weiterbildung für Sexualberatung an.

Und dann noch die Institute aus den Interviews unten:

  1. Ausbildung zum „Paarcoach“ bei Hans & Ute Giffey in Linz. Link. (Doris Kaiser)
  2. Ausbildung in beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie im Berliner Institut für Beziehungsdynamik. Link. (Eilert Bartels)
  3. Ausbildung zur systemischen Paartherapeutin in Berlin am ISKA Institut. Link. (Manuela Komorek und Anna Holfeld)

Wie wichtig ist die Wahl der Ausbildung?

Fast alle Interview-Teilnehmer haben die Details der Ausbildung für sich selbst als wichtig und spannend empfunden – weisen aber darauf hin, dass Klienten sich für diese Details wenig interessieren.

Yves Suermann zum Beispiel warnt daher etwa vor Überausbildung. Wenn es irgendwann nur noch darum geht, sich immer “sicherer” zu fühlen, dienen die Ausbildungen nicht mehr der fachlichen Kompetenz. In diesem Fall hilft ein Coaching, eine Antwort auf diese Frage  zu finden:

Warum fühle ich mich noch nicht bereit, obwohl ich es längst sein sollte?

Und ab einem gewissen Zeitpunkt macht es mehr Sinn, sich nicht mehr nur um fachliche, sondern auch um wirtschaftliche Aspekte der Selbstständigkeit als Paartherapeut zu kümmern.

Wie baue ich meine Praxis aus wirtschaftlicher Perspektive auf?

Neben der fachlichen Seite gibt es natürlich auch noch eine wirtschaftliche. Wenn Sie Paartherapeut oder Paarberater werden wollen, brauchen Sie ggf. Räumlichkeiten, eine Website und natürlich Klienten.

Auch dazu haben sich die Interview-Teilnehmer geäußert:

Doris Kaiser zum Beispiel hat eine sehr spitze Positionierung als hilfreich erlebt. Auch Anna Holfeld bemerkt, dass sie seit einer klaren Spezialisierung deutlich häufiger weiterempfohlen wird. Und auch Regine Wacker hat sich lange mit verschiedenen Marketing-Bereichen beschäftigt.

2 Tipps, um als Paartherapeut Kunden zu gewinnen:

1: Verraten Sie etwas von sich 

Regines Klienten bekommen etwa mit, dass sie besonders empathisch arbeitet. Yves wird nicht nur fachlich kompetent, sondern auch als humorvoll wahrgenommen.

2: Betreiben Sie Marketing!

Und kümmern Sie sich um Kundenakquise.

Manuela nimmt das zum Beispiel als stetige Herausforderung wahr, die sich aber auch lohnt – die meisten ihrer Klienten werden über das Netz auf sie aufmerksam.

Natürlich sind diese Tipps sehr allgemein und das Thema Marketing ist groß. Aber Sie sind ja gerade an der perfekten Stelle (auf der Website einer Marketing-Agentur für Paartherapeuten). Hier finden Sie viel Lesestoff (etwa im Blog) und kompetente Ansprechpartner – es muss also nicht allgemein bleiben!

Wie lange dauert es, bis man von Paartherapie leben kann?

Eilert Bartels spricht aus eigener Erfahrung von 5-7 Jahren, bis eine Selbstständigkeit gut funktioniert. Ich kann diese Zahl insofern bestätigen:

  1. In vielen Fällen dauert es so lange. Und wenn das eingeplant ist, ist das auch okay.
  2. Viel länger sollte es nicht dauern. Bei genug Zeit und Budget läuft der wirtschaftliche Teil dann nicht so gut, wie er laufen sollte.
  3. Wenn viel Zeit, Energie und Geld da sind, kann es auch deutlich schneller gehen.

Beim benötigten Zeitraum gibt es starke Schwankungen. Manche steigen direkt Vollzeit ein, haben vielleicht schon betriebswirtschaftliche oder kaufmännische Vorerfahrung und haben Startkapital für Marketing und Kundengewinnung. Andere gehen es lieber langsamer an.

Beides ist okay. Finden Sie Ihren Weg und lassen Sie sich im Zweifelsfall beraten.

Viel Erfolg auf Ihrem Weg,

Nils von Love to Help

Interviews im Volltext

Hinweis vorab: Mit einigen der unten stehenden Personen stehen wir in einem Kundenverhältnis.

Doris Kaiser

  • Paarberaterin in Linz, Österreich.
  • Hier können Sie mehr erfahren.
  • Bildrechte: © Eva Giritzer, Sprachbild

Nils: Gab es den einen Moment, an dem dir klar war: “Das muss ich machen!”

Doris: Aufgrund meiner Spezialisierung auf Sexualberatung kamen immer mehr Paare zu mir. Ich merkte, dass mit Paaren zu arbeiten herausfordernder ist als mit Einzelklient*innen und mir noch was fehlte. Ich wollte Methoden und Werkzeuge erlernen, die für die Arbeit mit Paaren optimal geeignet sind.

Nils: Was hast du zu dem Zeitpunkt, also vor der Aus-/Weiterbildung beruflich gemacht?

Doris: Ich habe als selbstständige Sexualberaterin gearbeitet.

Nils: Wo hast du deine Ausbildung gemacht, welche war es genau und wie hast du sie finanziert?

Doris: Ich habe meine Ausbildung zum „Paarcoach“ bei Hans & Ute Giffey in Linz absolviert. Bezahlt habe ich diese aus Erspartem.

Nils: Hattest du Momente des Zweifelns, in denen du dir doch unsicher warst, ob das dein Ding ist?

Doris: Nein.

Nils: Wie geht dein Umfeld mit deinem Beruf um?

Doris: Die finden das gut.

Nils: Was waren nach deiner Ausbildung und zum Start deiner selbstständigen Tätigkeit deine größten Herausforderungen?

Nils: Was empfiehlst du Menschen, die sich auch für deinen Weg interessieren?

Doris: Als ich die Ausbildung zur Paarberaterin absolvierte, war ich bereits selbstständig.
In Österreich gibt es die Ausbildung zur psychologischen Beraterin, die dauert 2 ½ Jahre. Danach braucht man meiner Meinung nach unbedingt eine Spezialisierung. Mir war von Anfang an klar, dass ich mich auf Sexualberatung konzentrieren wollte und hab sofort eine entsprechende Fortbildung dran gehängt. Ich glaube, das Wichtigste ist eine klare Positionierung.
Als Sexualberaterin, aber auch als Paarberaterin gibt es keine Mundpropaganda. Darüber wird nicht gesprochen. Das ist eines der größten Probleme in diesem Berufsfeld. Das heißt, ich muss meine gesamte Klientel auf andere Weise akquirieren.

Nils: Was ist dein Eindruck, was deinen Klienten an dir, deiner Ausbildung und deinem Angebot wichtig ist?

Doris: Sich wirklich genau zu überlegen, mit wem man warum arbeiten möchte. Ich dachte, meine Positionierung als Sexualberaterin sei ohnehin schon speziell, bis ich in einem Coaching drauf kam, dass ich in der Einzelberatung nicht mehr mit Männern arbeiten wollte. Daher bin ich jetzt Sexualberaterin für Frauen und Paare.

Auch als Paarberater*in kann man sich spezialisieren. Beratung für Paare nach einem Seitensprung. Für Paare, die gerade Eltern geworden sind. Oder für Paare, die verzweifelt versuchen, ein Kind zu bekommen. Und so weiter … Am Anfang hat man oft Angst, nicht genügend Klient*innen zu bekommen, wenn man sich zu spitz positioniert. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall!

Welche Ausbildungen ich habe, interessiert kaum jemanden, zumindest werde ich selten danach gefragt. Die meisten Klient*innen kommen über meine Website zu mir und die bietet einen guten Überblick, warum und mit welchen Themen Menschen zu mir kommen. Ich höre auch immer wieder, dass sich jemand in einem Blogartikel wiedergefunden hat und deshalb zu mir kommen möchte. Ganz wichtig ist natürlich die Sympathie und dass die Chemie stimmt – bei Paaren zwischen drei Menschen!

Regine Wacker

  • Regine ist Paarberaterin in Dresden.
  • Hier können Sie mehr erfahren.

Nils: Gab es den einen Moment, an dem dir klar war: “Das muss ich machen!”

Regine: Den einen Moment gab es bei mir nicht. Es hat sich so entwickelt. Nach dem ich meine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin beendet hatte stieg in mir der Wunsch nach einer eigenen Praxis auf. Da ich viel gelernt habe startete ich als Praxis für Beratung, Hypnose und Entspannung (ein Bauchladen – wie ich heute weiß ;-)).

Die meisten Klienten kamen zu mir mit Beziehungsproblemen. Das war mir gerade recht, denn damit kannte ich mich auf Grund von zwei ziemlich gescheiterten Beziehungen ganz gut aus. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon ganz viele Beziehungsratgeber intus. Dann wuchs der Wunsch, sich noch intensiver mit dem Thema zu beschäftigen und ich machte eine Weiterbildung zur Paarberaterin. Übrigens führe ich seit über 11 Jahren eine Beziehung, die mich wirklich glücklich macht.

Nils: Was hast du zu dem Zeitpunkt, also vor der Aus-/Weiterbildung beruflich gemacht?

Regine: Vor meiner Ausbildung war ich als Büroangestellte tätig.

Nils: Wo hast du deine Ausbildung gemacht, welche war es genau und wie hast du sie finanziert?

Regine: Ich habe meine Ausbildung zur Psychologischen Beraterin als Fernstudium bei Impulse e.V. absolviert. Mein Lernzeitraum waren ca. 2,5 Jahre. Finanziert habe ich es durch meinen Hauptjob. Die Weiterbildung zur Paarberaterin hat dann meine Praxis finanziert.

Nils: Hattest du Momente des Zweifelns, in denen du dir doch unsicher warst, ob das dein Ding ist?

Regine: Nein, gezweifelt daran, ob es mein Ding ist, habe ich nie – ich wollte schon immer Psychologie studieren – mir kam aber die Wende dazwischen.

Nils: Wie geht dein Umfeld mit deinem Beruf um?

Regine: Mein Umfeld geht ganz normal damit um, denke ich jedenfalls. Wobei manche Freundinnen es natürlich großartig finden, eine „Fachfrau“ um Rat fragen zu können. Was aber nicht immer gut für die Freundschaft ist. Ich versuche das wirklich strikt zu trennen.

Nils: Was waren nach deiner Ausbildung und zum Start deiner selbstständigen Tätigkeit deine größten Herausforderungen?

Regine: Die größte Herausforderung war für mich das richtige Marketing. Fängt an bei der Erstellung einer Homepage, Werbemaßnahmen – welche sind gut, welche nicht? Da habe ich sehr viel ausprobiert und auch sehr viel Geld investiert. Was funktioniert oder nicht funktionert hat. Als ich vor 7 Jahren mit meiner Selbständigkeit begann, war das Internet irgendwie noch anders. So hatte ich viel Geld für irgendwelche Portaleinträge investiert. Die gibts heute glaube gar nicht mehr, habe auch den Namen vergessen. Gut, vielleicht bin ich da bei Google nach vorne gerutscht, ich weiß es nicht. Flyer sind auch zwiespältig. Aber ich glaube, jeder muss das ganz für sich selbst herausfinden. Wenn ich meine Klienten frage, wie sie denn auf mich gekommen sind, dann heißt es immer: Im Internet gefunden. Also dort gut sichtbar zu sein ist das Wichtigste.

Nils: Was empfiehlst du Menschen, die sich auch für deinen Weg interessieren?

Regine: Idealerweise hat man eigene Beziehungserfahrungen unterschiedlicher Art und weiß wovon man spricht.

Nils: Was ist dein Eindruck, was deinen Klienten an dir, deiner Ausbildung und deinem Angebot wichtig ist?

Regine: Also mich hat noch kein Klient nach meinen Ausbildungen gefragt. Ich denke wichtig sind meine Empathie, mein Verständnis für die Situation, meine Neutralität, vielleicht auch mein Humor (wir lachen auch mal zusammen). Und dass ich die Dinge von Außen betrachte und dadurch wichtige Impulse in die Beziehung einbringen kann.

Yves Suermann

  • Paartherapeut in Dortmund und Bochum.
  • Hier und bald hier können Sie mehr über Yves erfahren.

Nils: Gab es den einen Moment, an dem dir klar war: “Das muss ich machen!”

Yves: Diesen „einen Moment“ gab es nicht. Mir war es lange fremd zu glauben, dass ausgerechnet ich derjenige sein kann, der andere Menschen dabei unterstützt ihr bestmögliches Ich zu sein oder ihre bestmögliche Beziehung zu leben. Es schien mir überheblich und anmaßend. Erst während meiner Ausbildung in Entspannungstherapie habe ich gelernt, dass es dabei niemals darum geht etwas besser zu wissen oder zu können, sondern darum geht, Wege zu begleiten. Erst diese Rolle konnte ich annehmen.

Nils: Was hast du zu dem Zeitpunkt, also vor der Aus-/Weiterbildung beruflich gemacht?

Yves: Ich war gerade erfolgreich dabei mein Studium abzubrechen und habe angefangen in der Universitätsverwaltung zu arbeiten.

Nils: Wo hast du deine Ausbildung gemacht, welche war es genau und wie hast du sie finanziert?

Yves: Meine Grundausbildung zum Psychologischen Berater und Heilpraktiker für Psychotherapie habe ich in den Paracelsus Schulen für Naturheilverfahren GmbH gemacht. Begleitend habe ich unter anderem Fortbildungen in Traumatherapie, Hypnosetherapie und eine lange Weiterbildung in Kinder-, Jugend- und Familienberatung abgeschlossen. Das alles konnte ich durch meinen Vollzeitjob finanzieren, der mich bis heute finanziell absichert und mir den Spielraum gibt, so zu arbeiten, wie ich es für richtig halte.

Nils: Hattest du Momente des Zweifelns, in denen du dir doch unsicher warst, ob das dein Ding ist?

Yves: Ständig und das noch heute! Ich hatte irgendwann zwar keine Zweifel mehr, genau das machen zu wollen aber immer Zweifel ob ich meinen Klientinnen, Klienten und Paaren gerecht werden kann. Ich habe aufgegeben diese Zweifel abzustellen, da sie mich zu achtsamem Arbeiten und ständiger Reflexion zwingen.

Nils: Wie geht dein Umfeld mit deinem Beruf um?

Yves: Für mein Umfeld schien es eine größere Selbstverständlichkeit zu sein, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe als für mich. Damit hat mein Umfeld mich, ohne es zu wissen, mehr unterstützt als ich es mir hätte wünschen können.

Nils: Was waren nach deiner Ausbildung und zum Start deiner selbstständigen Tätigkeit deine größten Herausforderungen?

Yves: Das Vertrauen darin aufzubringen, gut vorbereitet zu sein, war die größte Hürde. Ich habe aber auch lange gezweifelt, dass es einen Weg zum finanziell verträglichen Einstieg gibt. Durch die Möglichkeit in einem größeren, tollen Zentrum (KT-Zentrum) zu arbeiten und durch einen Lehrauftrag an einer Heilpraktikerschule waren diese Zweifel plötzlich zerschlagen.

Nils: Was empfiehlst du Menschen, die sich auch für deinen Weg interessieren?

Yves: Eine wesentliche Grundlage für mein Arbeiten und einen verantwortungsvollen Einstieg ist eine fundierte Ausbildung. Ich würde aber dazu raten, Überausbildung zu vermeiden. Das erlebe ich sehr oft bei Schüler*innen und in meinem Netzwerk. Ich glaube, dass es sich um einen Trugschluss handelt, zu erwarten man könnte voller Überzeugung und gänzlich praxisreif in den Beruf zu starten. Vielmehr sollte man die Selbstzweifel zur Reflexion zu nutzen. Meine Erfahrungen zeigen mir, dass es vielmehr die Praxiserfahrungen, das Stolpern und die Stürze sind, die meinen Klienten zu Gute kommen und weniger meine Aus- und Weiterbildungen.

Nils: Was ist dein Eindruck, was deinen Klienten an dir, deiner Ausbildung und deinem Angebot wichtig ist?

Yves: Ich vermute, dass vielen mein Humor bei der Arbeit und das Gefühl wichtig ist, es selbst nicht besser zu wissen. So wird die therapeutische Arbeit zur Teamarbeit. In meiner Ausbildung habe ich früh den Schwerpunkt auf systemisches, lösungsorientiertes Arbeiten gesetzt. Das hilft meinen Klientinnen und Klienten früh erste Entlastung zu erfahren und sich selbst in aktiver Rolle und Selbstwirksamkeit wiederzufinden.

Eilert Bartels:

  • Eilert ist Paartherapeut und Autor in Berlin.
  • Mehr über Eilert erfahren Sie hier und hier.

Nils: Gab es den einen Moment, an dem dir klar war: “Das muss ich machen!”

Eilert: Nein und ja. Ich habe mich seit meiner Jugend für Psychologie interessiert, und auch dafür, Paaren im Streit oder in Patt-Situationen begleitend zur Seite zu stehen. Wohl nicht nur bei mir fing das wahrscheinlich wohl schon bei den eigenen Eltern an. Als ich dann mit meiner Partnerin selbst nach 20 Jahren Beziehung in einer Patt-Situation steckte, flammte mein jugendliches Interesse für Psychologie wieder so stark auf, dass ich mich entschloss, Ausbildungen im Bereich Paar- und Sexualtherapie und Sexualität zu absolvieren.

Nils: Was hast du zu dem Zeitpunkt, also vor der Aus-/Weiterbildung beruflich gemacht?

Eilert: Ich war selbständig als Klavierbauer und habe sehr viel im Außendienst gearbeitet, bei den Kunden ihre Instrumente gestimmt und gewartet. Auch eine Arbeit, die viel Feingefühl erfordert, nicht nur mit den Instrumenten, sondern auch mit den Menschen, die z.T. intime Beziehungen zu ihren Instrumenten pflegen.

Nils: Wo hast du deine Ausbildung gemacht, welche war es genau und wie hast du sie finanziert?

Eilert: Im wesentlichen waren das die Ausbildung in beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie im Berliner Institut für Beziehungsdynamik und dann die Schulung zum Heilpraktiker für Psychotherapie am Institut Christoph Mahr in Berlin, wo ich im Anschluss dann auch die Ausbildung in integrativer Psychotherapie gemacht habe. Aber das Lernen hört ja nie auf. Derzeit mache ich die Grundausbildung in Hypnotherapie und im Frühjahr 2020 eine Ausbildung im EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), auch beide im Institut Christoph Mahr. Finanziert über Rücklagen, die ich über die Jahre im Erstberuf aufgebaut hatte.

Nils: Hattest du Momente des Zweifelns, in denen du dir doch unsicher warst, ob das dein Ding ist?

Eilert: Ja, doch. Immer wieder mal. Es braucht einfach eine Menge Durchhaltevermögen. Man sagt ja, es braucht im Schnitt 5 bis 7 Jahre, bis ein Geschäft richtig läuft. Würde ich aus beiden Selbständigkeiten (sowohl im Klavierbau als auch in der Paar- u. Sexualtherapie) bestätigen.

Nils: Wie geht dein Umfeld mit deinem Beruf um?

Eilert: Je sicherer und selbstverständlicher es für mich selbst ist, mich Paar- und Sexualtherapeut zu nennen, umso entspannter reagiert auch mein Umfeld darauf. Das hat fast etwas Magisches.

Nils: Was waren nach deiner Ausbildung und zum Start deiner selbstständigen Tätigkeit deine größten Herausforderungen?

Eilert: An die eigene Kompetenz zu glauben. Dran zu bleiben, auch, wenn sich mal über Wochen oder Monate nichts tut, und die Praxis quasi brach lag.

Nils: Was empfiehlst du Menschen, die sich auch für deinen Weg interessieren?

Eilert: Mache viel Selbsterfahrung. Um Menschen gut begleiten zu können, musst Du den Weg selbst schon gegangen sein. Durchhaltevermögen mitbringen, wenn es geht, auch finanzielle Rücklagen, oder einen Finanzierungsplan, (eventuell auch die Bereitschaft, beruflich zweigleisig zu fahren. Am besten mit einer gewissen Flexibilität, die Arbeitszeiten dem momentanen Bedarf anpassen zu können.

Nils: Was ist dein Eindruck, was deinen Klienten an dir, deiner Ausbildung und deinem Angebot wichtig ist?

Eilert: Bei Einzelklienten: Meine Authentizität, dass ich mich selbst als Mensch spürbar mache und – nicht zu unterschätzen – bei Paaren: dass ich gemeinsam mit meiner (Beziehungs-Partnerin und Kollegin) gelingende Beziehung vorlebe und so vermitteln kann, dass ich weiß/wir wissen, wovon ich/wir spreche. Dass sie sich bei mir gut aufgehoben und gehört fühlen. Meine Ausbildungen tragen insofern dazu bei, als sie mir Kompetenz und Sicherheit geben, was sich dann auch den Klient*innen vermittelt. Ich werde aber so gut wie nie nach meinen Ausbildungen gefragt.

Manuela Komorek

  • Manuela ist Systemische Paartherapeutin in Wismar.
  • Mehr Infos zu Manuela hier.

Nils: Gab es den einen Moment, an dem dir klar war: “Das muss ich machen!”

Manuela: Den Moment gab es schon mit 18, als ich die gelben Seiten nach einem Eheberater durchforstet habe um dort ein Praktikum zu machen. Dort wurde ich sehr barsch abgewiesen, sodass ich mich lange Zeit nicht mehr getraut habe, den Wunsch zu verfolgen. Dann hat es noch mal über 20 Jahre gebraucht um diesen Beruf nun tatsächlich auszuüben

Nils: Was hast du zu dem Zeitpunkt, also vor der Aus-/Weiterbildung beruflich gemacht?

Manuela: Ich hatte eine Ausbildung absolviert und war Assistentin der Geschäftsführung im Filmbusiness. Schon neben dieser Arbeit habe ich mich zur Heilpraktikerin für Psychotherapie und zur Familienaufstellerin weitergebildet.

Nils: Wo hast du deine Ausbildung gemacht, welche war es genau und wie hast du sie finanziert?

Manuela: Die Ausbildung zur systemischen Paartherapeutin habe ich anschließend in Berlin am ISKA Institut gemacht, finanziert habe ich es mit den Einnahmen aus meiner Tätigkeit als Heilpraktikerin und Systemaufstellerin.

Nils: Hattest du Momente des Zweifelns, in denen du dir doch unsicher warst, ob das dein Ding ist?

Manuela: Ob das mein Ding ist habe ich nie angezweifelt, aber ob ich damit genug Geld verdiene habe ich immer angezweifelt. Und noch heute denke ich manchmal: Was mache ich z.B. wenn es kein Internet mehr geben sollte? Denn darüber gewinne ich den Großteil meiner Kunden.

Nils: Wie geht dein Umfeld mit deinem Beruf um?

Manuela: Die meisten sind neugierig, wenn ich erzähle was ich beruflich mache. Oft sagen sie dann, „oh da musst du dir aber einiges anhören“… und das stimmt, aber das ist ja das schöne an dem Beruf.

Nils: Was waren nach deiner Ausbildung und zum Start deiner selbstständigen Tätigkeit deine größten Herausforderungen?

Manuela: Die Kundenakquise und das ist es leider auch immer noch, denn die macht mir nicht so richtig viel Spaß.

Nils: Was empfiehlst du Menschen, die sich auch für deinen Weg interessieren?

Manuela: Vor allem sollten sie sicherstellen, dass sie professionell beraten lernen. Also eine gute Ausbildung machen, die sie davor schützt, sich zu überfordern. Und sie sollten sich genau überlegen, ob sie die Unsicherheit der Selbstständigkeit aushalten.

Nils: Was ist dein Eindruck, was deinen Klienten an dir, deiner Ausbildung und deinem Angebot wichtig ist?

Manuela: Meist sind sie an dem systemischen Ansatz interessiert und wünschen sich Klarheit darüber, ob ihre Beziehung noch Sinn hat aber auch, ob sie selbst einem Muster aus der Familie folgen und wenn ja, wie sie da rauskommen. Sie mögen meine Gelassenheit und meinen Humor.

Anna Holfeld

  • Anna ist Paartherapeutin in Berlin-Neukölln.
  • Mehr über Anna finden Sie hier.

Nils: Gab es den einen Moment, an dem dir klar war: “Das muss ich machen!”

Anna: Im Rahmen von einem Berufsfindungscoaching war irgendwann klar, ja, Familien- und Paarberatung ist das, was ich machen will.

Nils: Was hast du zu dem Zeitpunkt, also vor der Aus-/Weiterbildung beruflich gemacht?

Anna: Ich bin Kulturwissenschaftlerin und habe mich schon während des Studiums in Richtung Mediation umgesehen und ausbilden lassen. Direkt vor der Entscheidung zur Paarberatung hab ich mich breiter aufgestellt: Coaching, Training, Mediation mit Einzelpersonen und Gruppen.

Nils: Wo hast du deine Ausbildung gemacht, welche war es genau und wie hast du sie finanziert?

Anna: Meine Ausbildung in Systemischer Paartherapie hat 120 Stunden gedauert und ich habe sie am Iska Institut Berlin absolviert. Finanziert habe ich sie einfach über monatliche Raten.

Nils: Hattest du Momente des Zweifelns, in denen du dir doch unsicher warst, ob das dein Ding ist?

Anna: Ja, besonders am Anfang, es fällt mir immer schwer, nur eins zu machen und nicht alle Ideen gleichzeitig verfolgen.

Nils: Wie geht dein Umfeld mit deinem Beruf um?

Anna: Seitdem ich überall kommuniziere, was ich mache und dass ich nur das mache, empfehlen sie mich weiter. Und dieser Beruf bringt immer viel Interesse von allen mit.

Nils: Was waren nach deiner Ausbildung und zum Start deiner selbstständigen Tätigkeit deine größten Herausforderungen?

Anna: Beim Ball zu bleiben, mich voll auf die eine Tätigkeit zu konzentrieren.

Nils: Was empfiehlst du Menschen, die sich auch für deinen Weg interessieren?

Anna: Google so gut zu verstehen, dass meine Werbung darüber funktioniert, um die ersten Kunden zu bekommen. Mit anderen sprechen, was sie gemacht haben, um in dem Geschäft erfolgreich zu sein.

Nils: Was ist dein Eindruck, was deinen Klienten an dir, deiner Ausbildung und deinem Angebot wichtig ist?

Anna: Dass ich keine Psychologin bin, also nicht theoretisiere. Dass ich praxisorientiert bin. Lösungsorientiert.

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