Selbstständig als Coach 4 – Interviews mit erfolgreichen Coaches

Start in die Selbstständigkeit

Im ersten Teil der Reihe ging es um die Entscheidung für oder gegen die Selbstständigkeit. Im zweiten Teil werden alle Gründungsschritte behandelt. Im dritten warten hilfreiche Marketing-Tipps. Zu einer Übersicht geht es hier.

Was jetzt noch fehlt, ist ein Blick in die Praxis erfolgreicher selbstständiger Coaches. Daher: Fragen wir doch ein paar! Wir beginnen mit einem Interview, weitere werden hier in nächster Zeit folgen.

Für das erste Gespräch habe ich Ute Schüwer aus Bochum um ein paar Antworten aus dem Nähkästchen gebeten. Wer einen Blick auf Ihre Website werfen will, ist herzlich eingeladen, das unter www.schuewer-beratung.de zu tun.

Ute Schüwer - Selbstständig als Coach in Bochum

Nils: Liebe Ute, wie würdest du deine Arbeit und dein Business beschreiben?

Ute: Ich bin seit zwanzig Jahren Coach für Führungskräfte und Selbstständige. Meine Themen-Schwerpunkte beginnen bei der Karriereberatung, wo ich dabei helfe, Fragen wie welcher Job passt zu mir? zu beantworten. Auch das Thema Resilienz spielt bei mir eine große Rolle. Denn: Erfolg braucht Gelassenheit! Unter Druck und Dauerstress wird das nichts. Darüber hinaus spielt authentisches Führen in meiner Arbeit eine große Rolle. Außerdem bin ich Autorin und habe mit meinem Mann zusammen (Arzt und Ex-Diabetiker) zwei Bücher über gesunde Ernährung und Abnehmen geschrieben, einmal Schatz, der Bauch muss weg* und Zucker – der weiße Killer.

Nils: Was war/ist deine Motivation für diesen Beruf?

Ute: Ich habe selbst mit Mitte 20 schon einen Burnout gehabt und weiß, wie schwer es ist, gesundheitsschädliche Verhaltensmuster zu verändern. Dann weißt du genau , was du anders tun müsstest und schaffst es trotzdem nicht, das zu tun. Das ist eine hohe Motivation für mich, Menschen zu unterstützen, kreativ zu werden und Lösungen zu finden, die zu ihnen passen. Es sich so leicht wie möglich zu machen. Zu erleben, wie positiv sich die Welt verändert, wenn es gelingt, aus alten Muster auszusteigen und neue Freiheiten zu erleben.

Nils: Was hast du vorher beruflich gemacht?

Ute: Ich war zunächst wissenschaftliche Politikberaterin am Max-Planck-Institut für Sozialforschung in Köln. 1999 bin ich dann in meine Selbstständigkeit als Coach, Führungskräftetrainerin und Teamentwicklerin gestartet und habe mich seit 2008 auf Einzel-Coachings spezialisiert. Zu der Zeit kam dann auch noch eine weitere nebenberufliche Selbstständigkeit im Bereich Esalen-Massage hinzu. Das ist eine kalifornische Methode der Entspannungs- und Tiefenbindegewebearbeit.

Nils: Wie viel Start-Budget hattest du damals, als du deine Selbstständigkeit als Coach gegründet hast?

Ute: Ich bin 1999 mit ca. 5.000 DM gestartet, die ich selbst angespart hatte. Da ich meine Stelle am MPI gekündigt hatte, bekam ich ein Jahr lang Arbeitslosengeld plus 6 Monate die gleiche Summe als Existenzgründungsgeld.

Nils: Wie lange hast du gebraucht, bis du von deiner Selbstständigkeit gut leben konntest?

Ute: Die ersten Jahre habe ich hauptsächlich von Führungskräfte-Trainings gelebt und nur ab und zu Einzel-Coachings gemacht.
Als ich mich 2008 entschieden habe, mich auf Einzelcoaching zu spezialisieren, dachte ich, es reicht, dass ich meinen aktuellen Unternehmenskunden signalisiere, dass sie mich ab jetzt nicht mehr für Seminare, sondern nur noch für Einzel-Coachings buchen können. Da hatte ich mich aber sehr verschätzt. Mit ca 4-5 Auftraggebern war ich mit Trainings so ausgebucht gewesen, dass ich noch andere freie Trainer beschäftig hatte. Anfragen für Einzel-Coachings kamen aber viel unregelmäßiger und in viel geringerem Umfang. Meine erste Erkenntnis war, dass ich viel mehr Auftraggeber brauchte, bei denen ich im Coaching-Pool war als vorher – ca. 3-4x soviele. Es hat also ab da noch ein paar Jahre gedauert, bis ich wirklich von Einzel-Coachings leben konnte.

Nils: Was ist dein #1-Tipp für angehende Coaches?

Ute: Das allerwichtigste ist ein gutes Netzwerk. Die mit Abstand meisten Aufträge bekomme ich über die Empfehlung von Kolleg*innen, sowohl an Privatpersonen auch als an Organisationen. Das hat sogar funktioniert, obwohl ich die ersten 9 Jahre meiner Selbstständigkeit noch nicht mal eine Website hatte. Auch Geduld hilft. Manchmal zahlen sich Kontakte und Akquisegespräche erst nach Jahren aus. Ein Extrembeispiel: Bei einem Unternehmen habe ich den ersten Coaching-Auftrag 8 Jahre nach dem Kennenlerngespräch gehabt.

Nils: Würdest du im Rückblick etwas anders machen?

Ute: Der größte Fehler, den ich gemacht habe: Ich habe mich bei meiner ersten Website im Jahr 2009 nicht um Suchmaschinenoptimierung gekümmert. Weder ich noch die Grafikerin hatten damals Ahnung davon. Dementsprechend habe ich wenig Anfragen über die Website bekommen. Das Nachrüsten ein paar Jahre später war teuer und hat trotzdem nicht so viel gebracht, als wenn ich es direkt mitbedacht hätte. Deshalb unbedingt beim Erstellen der Website-Struktur und beim Schreiben der Texte sofort die Suchmaschinenoptimierung von einem Profi mitmachen lassen!

Nils: Danke dir für das Interview!

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