Selbstständig als Coach – Häufige Fragen und Marketing-Tipps

Sie haben Ihre Coaching-Ausbildung frisch abgeschlossen oder sind zumindest kurz davor. Dann kommt natürlich die Frage auf: Was tun mit der neuen Expertise?

Eine Tätigkeit als selbstständiger Coach liegt nahe! Was Sie tun können, damit dieses Ziel Realität wird, erfahren Sie in diesem Artikel. Dann viel Spaß beim Lesen!

Falls Sie wenig Zeit haben: Hier können Sie die häufigen Fragen zum Thema überfliegen!

Selbstständig als Coach – die Übersicht

Die Freude beim Anruf des ersten Klienten: Unbezahlbar!

Folgende Themen, Fragen und Gedanken greife ich in den nächsten Zeilen auf:

  1. Klienten finden
  2. Personal vs. Business-Coaching
  3. Stundensatz
  4. Marketing-Tipps

Hier aber zuerst einmal die häufigsten Fragen …

… die sich recht schnell und einfach beantworten lassen:

So viel zu den kleinen Fragen. Jetzt geht es an die größeren Themen zur Coaching-Selbstständigkeit!

Wie finde ich als selbstständiger Coach Klienten?

Überraschende Antwort: Gar nicht! Diese Art zu denken führt bereits in die falsche Richtung. Die bessere Frage ist: Wie können Sie von Klienten gefunden werden?

Überlegen Sie einmal einmal kurz: Ein Coaching ist teuer und anstrengend, daher bucht man es nur, wenn man es wirklich braucht.

Nur wenn jemand ein ernsthaftes Anliegen hat und wirklich einen Coach braucht, kann man diese Person als Klienten gewinnen.

Und in dieser Situation suchen Leute selbst nach einem Coach

Diese Angebots- und Nachfrage-Situation weicht ziemlich von Szenarien ab, die wir kennen. Anders gesagt:

Einen Schokoriegel zu verkaufen, ist etwas völlig anderes, als Coaching-Dienstleistungen an die Frau oder den Mann zu bringen!

Denn Schokolade geht immer, Coaching nicht. Daher ist die Devise:

Seien Sie leicht findbar!

Kann man Sie gut finden?

Wenn man Sie in der Situation, die den Wunsch nach einem Coaching auslöst, leicht finden kann, haben Sie einiges richtig gemacht. Aber welche Situationen lösen überhaupt den Wunsch nach einem Coaching aus?

Beispiele:

  1. Der Chef bietet endlich die neue Stelle an. Aber: Die ist heiß umkämpft und es ist klar: Die Kollegen werden das nicht toll finden!
  2. Die Arbeit fühl sich sinnlos an und es besteht die Möglichkeit einer Firmengründung. Wenn da nicht Risiko und Unsicherheit wären.
  3. Die Ehe murmelt eher vor sich hin, als dass Sie richtig gut läuft. Und dann ist da noch diese andere Person …
  4. Immer diese ewige Performance-Angst! Nach dem letzten Besuch bei den Eltern wird langsam die Ursache klar: Die Sorge für der enttäuschten Mutter.

Was tut eine Person nun, wenn Sie in einer dieser Situationen steckt und den Entschluss fasst, dass sich etwas ändern muss?

Sie sucht nach einer Lösung für das Problem!

Für diese Art von Suche gibt es mehrere Möglichkeiten

Drei davon sind etabliert und für Sie besonders interessant:

  1. Sehr oft wird über Google direkt nach einem Coach gesucht. Mit einer Anfrage wie Coach + Ort. Schauen Sie hier gerne einmal für Ihren Arbeitsort, wie die Nachfrage aussieht.
  2. Potenzielle Klienten fragen in ihrem privaten oder beruflichen Umfeld nach Empfehlungen. Daher ist es enorm wichtig, dass Ihre Klienten mit Ihnen extrem zufrieden sind und sich an Sie erinnern – dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie weiterempfohlen werden!
  3. Größere Unternehmen haben oft einen Coaching-Pool, in dem sie erprobte Coaches sammeln, um so Kontakt zwischen Coaches und Mitarbeitern zu ermöglichen. Da kommen Sie in den meisten Fällen nur über gute Kontakte rein. Probieren Sie es im Zweifelsfall mit einer Initiativbewerbung.

Die wirklich effektiven Marketing-Strategien sind allesamt etwas passiv und erfordern Zeit. Das ist genau der Grund, warum es meist etwas dauert, bis du die Coaching-Praxis gut gefüllt ist.

Life/Personal vs. Business Coaching: Welche Art von Coaching sollte ich anbieten?

Ich sehe immer wieder Profile von Coaches, die alle Themen coachen und nebenbei noch Konfliktmediation, Paarberatung, Psychotherapie und Feng-Shui-Workshops anbieten. Alle diese Themen sind für sich vielversprechend und es manchmal können kreative Kombination besonders punkten.

Aber ab einem gewissen Punkt wirkt so eine Häufung wie ein uninspirierter Bauchladen. Das ist dann nicht mehr buchungs-förderlich.

Auch wenn es nicht intuitiv scheint: Versuchen Sie sich bei der Auswahl an Methoden, Themen und Zielgruppen klar und spezifisch aufzustellen! Weniger ist da definitiv mehr.

Falls Sie sich schon mal die Frage gestellt haben, warum jemand bei all den Coaches auf dem Markt ausgerechnet Sie buchen sollte: Das ist die Antwort! Legen Sie sich ein Profil an, schärfen und entwickeln Sie es weiter. Dann grenzen Sie sich automatisch ab und ziehen passende Menschen als Klienten an!

Wie hoch lege ich meinen Stundensatz fest?

Unsere Empfehlungen aus der Praxis:

  1. Niemals weniger als 60 Euro pro Stunde verlangen, besser im Bereich um die 120 Euro.
  2. Wenn jemand Ihren Stundensatz verhandeln will und das wertschätzend tut: Warum nicht? Aber bieten Sie nicht von vorneherein flexible Preise á la “zahl was du willst” an. Das Format Coaching braucht einen professionellen Rahmen, damit es funktioniert. Der Preis ist ein wichtiges Element, um diesen Rahmen zu stecken.
  3. Machen Sie sich zu Beginn nicht damit verrückt, Stundenpakete zu überlegen. Bieten Sie das Coaching erst einmal stundenweise an und schauen Sie dann, wie viele Stunden häufig gebucht werden. Dann können Sie aus dem realen Bedarf Pakete ableiten, die zu Ihren Klienten passen.
  4. Definieren Sie vorab klar, wann und wie die Abrechnung erfolgt. Von Bargeld-Austausch raten wir ab, das wirkt unprofessionell.

Das Thema Geld ist für viele Menschen zudem mit persönlichen Herausforderungen verbunden. Dazu hilft es, selbst ein Coaching in Anspruch zu nehmen, da das für diese Fälle eine enorm sinnvolle Investition ist, die sich schnell rechnet.

Zum Abschluss haben wir noch eine kleine Starthilfe:

4 Marketing-Tipps für den Start in die Coaching-Selbstständigkeit:

#1: Vergessen Sie nicht, Ihr Coaching für konkrete Anliegen und Problemsituationen anzubieten.

Im Coaching wird oft vermieden, von Problemen zu sprechen. Alle anderen Menschen (also alle Nicht-Coaches) haben aber welche. Und wenn sie keine hätten, würden sie auch keinen teuren Coach buchen.

Wahrscheinlich kommen Menschen dann mit anderen Anliegen zu Ihnen, als es Ihre Kolleg*innen aus der Coaching-Ausbildung für die Übungs-Coachings getan haben!

Ach ja, und denken Sie dann auch daran, über den Nutzen Ihres Coachings zu sprechen. Das funktioniert, indem Sie die Situation oder das (bessere) Leben Ihrer Klienten beschreiben, nachdem ein Problem im Coaching gelöst wurde.

#2: Buchen Sie selbst einen Coach!

Aber bitte mit einem Anliegen, das Sie wirklich haben. Das sollte Ihnen den Preis eines Coachings wirklich wert sein. Erst dann kennen Sie du wirklich die Kundenperspektive!

Und dann können Sie einschätzen, wann man als Klient nach einem Coaching das Gefühl hatte, dass sich das wirklich gelohnt hat.

Dieses Gefühl sollten Ihre Klienten nach einem Coaching mit Ihnen ebenfalls haben, damit sie Sie weiterempfehlen können.

#3: Stressen Sie sich zu Beginn nicht mit der Definition Ihrer Zielgruppe

Ich widerspreche hier vielen Marketing-Experten. Allerdings kommen diese gerne mit Zielgruppendefinitionen wie “Führungskräften” oder “Selbstständige” um die Ecke. Sorry, aber das ist viel zu unscharf, damit spricht man letztlich auch niemanden genau an.

Überlegen Sie lieber, wie Sie ticken und mit welcher Art von Menschen Sie klar kommen. Wenn Sie dann den Tipp #1 beherzigen und sich authentisch zeigen, ziehen Sie schon mal mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit die passenden Menschen an!

#4: Definieren Sie den Start in die Zusammenarbeit mit Ihnen

Am besten schriftlich! Sehen Sie den Start der Zusammenarbeit am besten als Prozess, den Sie – vor allem zu Beginn – stetig optimieren dürfen. Folgende Fragen helfen dabei:

  1. Gibt es einen Fragebogen, der Details zum Klienten abfragt?
  2. Gibt es einen Coaching-Vertrag? (machen erfahrene Coaches meiner Erfahrung nach übrigens eher selten, da das enorm aufwändig ist)
  3. Gibt es vorab vom Klienten zu akzeptierende AGBs oder ein konkretes Angebot?
  4. Wie läuft die Abrechnung ab?
  5. Wie können Sie überlange kostenlose Erstgespräche vermeiden? (die helfen erfahrungsgemäß weder dem Coach noch dem Klienten)

Fazit: Es lohnt sich!

Wenn Sie Nicht-Coaches aus Ihrer Umgebung erzählen, dass Sie über eine Selbstständigkeit nachdenken, werden Sie vermutlich viele mahnende Stimmen hören. Das ist in Deutschland (und wahrscheinlich auch in Österreich und in der Schweiz) leider weit verbreitet.

Das heißt aber nicht, dass es nicht möglich ist, als selbstständiger Coach erfolgreich zu sein, Klienten zu gewinnen und deren Leben zu bereichen

Zumal die Aussichten reizvoll sind: Sie haben einen guten Verdienst, sind flexibel und können nebenbei noch einer anderen Tätigkeit nachgehen, um auch das Bedürfnis nach Abwechslung zu stillen!

Wenn Sie das Gefühl haben, dass das Ihr Ding sein könnte:

Geben Sie dem Projekt doch einen Versuch!

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

Viele Grüße,

Nils von Love to Help

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